HOMEkontaktimpressum 
VERANSTALTUNGEN
Mai 2012
S M D M D F S
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    






Weihnachtsfeier

21.12.2011

Was bedeutet Weihnachten für mich? - Gedanken der Schülerin Anna

Ich liebe den Sommer, die Ferien und die Wärme. Jedes Mal, wenn der Sommer zu Ende geht, habe ich das Gefühl, die Zeit war so kurz und ich mag nicht an die kalte Jahreszeit denken. Dann, im Herbst, wenn die Schule wieder beginnt, gewöhne ich mich schnell an den neuen Rhythmus. Doch wenn dann die kälteren Tage im Herbst kommen, freue ich mich plötzlich auf den Winter und auf Weihnachten. Es macht mir gar nichts aus, wenn es kalt wird, ganz im Gegenteil, ich mag es sogar. Wenn dann die Tage kürzer werden und es so früh am Abend schon dunkel ist, fühle ich mich im warmn Haus ganz heimelig.

Eine ganz besondere Zeit beginnt am ersten Adventsonntag. Zu Hause zünden wir in der Küche, wo wir uns am liebsten aufhalten, eine Kerze an. Sie brennt nicht nur an den Adventsonntagen, sondern fast jeden Tag. Die Flamme der Kerze weckt in mir viele Gedanken und ich mag dieses Licht. Ich kann mich noch sehr gut an meine Kindheit erinnern, da hat Mama meiner Schwester und mir aus einem Adventkalenderbuch vorgelesen. Das waren ganz liebe, kurze Kindergeschichten, die zu dieser Zeit passten wie z. B. „Das Keksemonster“ oder „Der kleine Stern, der zur Erde wollte“.

Dann gab und gibt es immer noch im Dezember den Adventkalender. Jeden Tag ein Türchen aufmachen gibt mir das Gefühl, dass ich mit jedem Tag dem großen Fest näher komme. Ich freue mich darauf, dass das „Christkindl“ kommt, doch ich freue mich auch genauso auf die Weihnachtsferien. Der lange Herbst kostet mich ganz schön viel Kraft und in der Schule ist es nicht gerade leicht für mich.

Wenn mein Opa, meine Oma und auch meine Mutter vom Weihnachtsfest sprachen, dann war immer die Rede vom „Christkindl“. Mama ärgert sich über das amerikani-sche Getue um den Weihnachtsmann. Sie hat uns oft daran erinnert, was das Weih-nachtsfest für eine Bedeutung hat. Es ist das Geburtstagsfest unseres Jesus, der für die Liebe unter den Menschen sein Leben gegeben hat.

Der 24. Dezember ist der schönste Tag für mich. Unser Opa bringt am Vormittag ei-nen kleinen Christbaum ins Haus. Mama huscht dann auf den Dachboden, um den Christbaumschmuck zu holen. Eigentlich schaut unser Christbaum jedes Jahr gleich aus. Vielleicht könnte er einmal einen neuen Schmuck vertragen, aber ich finde ihn trotzdem schön. Kleine Figuren, rote Bänder, Engelchen, Strohschmuck und vieles mehr strahlt dann vom Baum herab. Zum Schluss kommen dann die Kerzen aus Bie-nenwachs von meiner Tante Maria an die Zweige. Weil meine Mama Musikerin ist, hat sie im Dezember meistens ganz schön viel zu tun. Im letzten Moment muss dann trotzdem noch alles perfekt sein und das ist dann meistens stressig. Meine Schwester und ich schauen an diesem Tag auch ganz gerne einmal fern. Mama mag das nicht besonders.

Ganz heimlich verpacke ich einige Geschenke, die ich für meine Familie gebastelt oder gekauft habe. Als ich noch klein war, habe ich dem Christkind einen Brief mit Wünschen geschrieben. Jeden Tag musste ich nachschauen, ob der Brief endlich weg war. Ein paar Tage hat es schon gedauert, bis das „Christkind“ sie endlich gefunden hat. Mama hat mich immer damit getröstet, dass das Christkind ja so viele Kinder aufsuchen müsste, und da kann es schon vorkommen, dass der wichtige Brief ein paar Tage liegen bleiben kann.

An heilig Abend liebe ich die stimmigen Besuche meiner Verwandten. Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen, alle kommen irgendwann und wir wünschen uns gegenseitig ein gesegnetes Weihnachtsfest. In meiner Familie kann man sich wohl fühlen. Wenn alle zusammen kommen, sind wir mindestens 20 oder mehr.

Wenn dann der Abend herannaht, dann wird es ruhig im Haus. Oma versperrt die Haustüre, sie sagt: „Das war immer so, jetzt kommt niemand mehr herein und nie-mand geht mehr aus dem Haus! Nur die Außenlaterne leuchtet. Oma und Mama ha-ben die Küche ganz feierlich hergerichtet. Der Tisch ist mit einer Weihnachtsdecke geschmückt, eine besondere Kerze, die nur zu Weihnachten angezündet wird, kommt aus dem Schrank auf den Tisch. Mit dem Friedenslicht aus Bethlehem wird diese Kerze dann entzündet. Langsam beginnt der feierliche Teil unseres Weihnachtsfestes. Oma holt ein Gebetsbuch aus dem Küchenschrank und wir lesen abwechselnd aus dem Buch vor. Wir hören jedes Jahr von Josef und Maria, die sich auf den Weg machten, um sich aufschreiben zu lassen, von der Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Danach wird gebetet. Oma betet voraus und wir beten nach. Mein Opa hatte immer auf die gleiche Weise daran teilgenommen. Das Gesicht mit seinen Händen verdeckt, die Ellbogen auf dem Tisch, den Blick gesenkt. Es bereitete ihm große innere Freude, mit uns am Weihnachtstisch zu sein. Heuer wird es anders. Ich und wir alle werden ihn vermissen, und wir werden bestimmt alle unsere Gedanken bei ihm haben, denn er ist vor einigen Monaten verstorben.

Nach dem Gebet gibt es eine köstliche Weihnachtsjause. Zuerst hausgemachte Würs-tel, dann Käse, Schinken, Lachs, Räucherforellen, Gebäck, köstliche Getränke, Kekse, Orangen, Äpfel und Nüsse. Nach dem Essen warten wir gespannt auf das, was uns im Wohnzimmer erwartet. Auch muss man wissen, dass das Christkind zu uns persönlich kommt, denn jedes Jahr erklingt das gleiche Signal: ein helles Glöckchen.

Dann betreten wir erwartungsvoll das Wohnzimmer. Unser Blick wird vom hell leuchtenden Christbaum angezogen. Nur das Licht der Kerzen erhellt den Raum. Rund um den Christbaum liegen bunt verpackte Geschenke mit Bändern und Maschen. Jetzt werden die Instrumente geholt und wir singen und spielen Weihnachtslieder und andere Musikstücke. Die Verteilung der Geschenke bereitet uns allen viel Freude. Es ist schön, Geschenke zu empfangen, aber es bereitet mir auch große Freude, Geschenke zu verteilen. Die Geschenkezeremonie dauert nicht allzu lange, denn kurz nach neun müssen wir traditionellerweise aus dem Haus, denn die Christmette muss ja mit schöner Musik ausgeziert werden. Meine Oma war 50 Jahre im Kirchenchor und ich glaube, einige andere in unserer Familie werden das auch schaffen. Auch ich singe sehr gerne, jedoch bin ich kein Mitglied des Kirchenchores. Wir gehen alle zur Christmette, außer Oma und Opa sind nie hingegangen, weil es so kalt ist.

Die Christmette ist sehr feierlich. Die Musik erfüllt den ganzen Kirchenraum und der Pfarrer kommt mit vielen Ministranten in die Kirche. Soweit ich mich an meine Kindheit zurückerinnern kann, bin ich immer mit Mama auf die Orgelempore hochgegangen. Dort befindet sich der Platz für den Chor. Meine Taufpatin ist Organistin und Chorleiterin, und außerdem meine Gitarrelehrerin. Ich habe schon so viel von ihr gelernt. Einmal habe ich mit einigen anderen Schülerinnen ein Lied mit den Gitarren begleitet: „Go tell it on the Mountain“. Das war ein großartiges Erlebnis. Die Musik und der Gesang ergreifen einen so, dass man Gänsehaut bekommt. Unser Herr Kaplan hat sogar einmal gesagt: „Singen ist zweimal beten“.

Zu Hause angekommen, freuen wir uns dann auf die verdiente Nachtruhe. Am nächsten Morgen fällt es uns sehr schwer aufzustehen, doch auch am Christtag besuchen wir die Messe. Dann folgt ein ruhiger, entspannender Feiertag im Kreise meiner Familie.




« zurück