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Feldkirchen: Satire & Jazz im Amthof
am Dienstag, 8. Februar 2012, 20:00, Kulturforum Amthof, Feldkirchen/Ktn. weiterlesen
Geschichte
Im Jahre 1918 hatte der Verlag 90.000 Mitglieder, die die jährliche Büchergabe bezogen. Wenn man in Rechnung stellt, daß zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als eine Million Slowenen in der Habsburger Monarchie lebten, kann behauptet werden, daß Bücher aus dem Hermagoras-Haus in Klagenfurt/Celovec in fast jedem slowenischen Haushalt zu finden waren. Zu Recht hat das Sprichwort, daß der Hermagoras-Verlag den Slowenen das Lesen beigebracht hat, bei Historikern und Literaturwissenschaftlern Allgemeingeltung erlangt. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es bedingt durch die Entstehung von Nationalstaaten zu einer Dreiteilung der Hermagoras. Ein Teil der Hermagoras (vor allem die Druckerei) mußte 1918/19 zuerst nach Prävali/Prevalje im heutigen Slowenien und 1927 nach Cilli/Celje übersiedeln. Daraus wurde der „Cillier Hermagoras Verein“ (Celjska Mohorjeva družba). Im Zwischenkriegs-Italien mit einer großen slowenischsprachigen Minderheit entstand 1924 der „Görzer Hermagoras-Verein“ (Goriška Mohorjeva družba). Das Stammhaus der Hermagoras aber blieb in Kärnten. In der ersten österreichischen Republik konnte in Kärnten keine Tätigkeit entfaltet werden, da keine Druckerei in Kärnten bereit war, slowenische Bücher zu drucken. Sogar die einzige slowenische Wochenzeitung in der ersten österreichischen Republik Koroški Slovenec („Kärntner Slowene“ 1921-1941) mußte in einer tschechischen Druckerei in Wien gedruckt werden. So wurde die alljährliche slowenische Büchergabe auch für die Kärntner Slowenen vom Hermagoras-Verein in Celje besorgt. Die drei „Geschwister-Verlage“ sind heute voneinander unabhängig und arbeiten selbständig. 1940 wurde das gesamte in Österreich verbliebene Vermögen der Hermagoras von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und der Verein selbst wurde aufgelöst und verboten.
Die Rückstellung des beschlagnahmten Vermögens erfolgte teilweise 1947, der volle Umfang der Tätigkeit konnte jedoch erst ab 1955 wieder aufgenommen werden. Bereits 1948 erschien die erste Büchergabe, womit es zur Wiederbelebung der Verlagstätigkeit kam. Die Büchergabe erscheint seitdem regelmäßig jedes Jahr und ist der Höhepunkt der Verlagstätigkeit während des Jahres.
Problematisches Verhältnis zum damaligen Nachbar Jugoslawien
Da der Hermagoras-Verlag christlich orientiert ist, mußte er bis zum Zusammenbruch des Kommunismus in Jugoslawien und der Selbständigkeit Sloweniens 1991 mit einem weitgehenden Boykott Sloweniens fertig werden. Dieser Boykott war aber auch gegen die regimekritische Literatur, die der Hermagoras-Verlag publizierte, gerichtet. Die Hermagoras-Bücher aus Klagenfurt durften in Slowenien nicht vertrieben werden. Ausnahmen konnten nur via Belgrad mühsam für jedes Buch extra erwirkt werden. Besonders die Literaturzeitschrift „Zvon“ (Die Glocke) war von diesem Verbot betroffen. Andererseits aber trug genau diese Zeitschrift auch einiges zum Zerfall des kommunistischen Regimes bei. Besonders kurios war der Fall einer zweisprachigen slowenisch-deutschen Ausgabe des Sonettenkranzes von France Prešeren, der bekanntlich als der größte slowenische Dichter gilt. Um 50 Exemplare nach Slowenien zu liefern, mußte noch Ende der 80er Jahre in Belgrad um Erlaubnis gebeten werden. Erst 1991 traten normale Verhältnisse ein.
Der Verlag verlegt jedes Jahr zwischen fünfzig und sechzig Bücher, wovon zwei Drittel in slowenischer und etwa ein Drittel in deutscher Sprache erscheinen. Im Verlagsprogramm sind vom Sachbuch, Schulbuch über Belletristik bis hin zum Kinderbuch fast alle Sparten vertreten.
Besonderes Augenmerk legt der Verlag auf den Kulturaustausch zwischen Slowenien und Österreich. So erscheinen im Verlag bekannte slowenische Schriftsteller in deutscher Übersetzung (wie z. B. Drago Jančar, Marjan Tomšič, Andrej Capuder, Žarko Petan, France Prešeren, Kajetan Kovič u. a. = Edition Slovenica) als auch bekannte deutschsprachige österreichische Schriftsteller in slowenischer Übersetzung (z.B. Robert Schneider, Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Michael Köhlmeier, Veza Canetti u. a. = Edition Austriaca). Der Verlag verlegt auch Erstausgaben sowohl von bedeutenden Kärntner und slowenischen Schriftstellern (Alojz Rebula, Gösta Maier, Drago Jančar, Gustav Januš, Milka Hartman, ...) als auch von Schriftstellern, die die ersten Schritte in die Welt des Schreibens und Edierens wagen (Judith Wieser-Kelih, Kaufmann Katharina, u. a.).
Verlagsprogramm mit breitem Spektrum
Einen Namen hat sich der Verlag mit der Herausgabe von Kunstbüchern gemacht: zu den wichtigsten zählen die Werke von Valentin Oman, Cornelius Colig, Gustav Januš und der alljährliche Kunstkalender (Autoren: Zoran Mušič, Hans Staudacher, Kiki Koglenik, u. a.).
Sach- und Kinderbücher vervollständigen das Angebot in slowenischer und deutscher Sprache. Bedeutend sind insbesondere die slowenischen Übersetzungen der Abenteuer-Geschichten von Thomas Brezina und die Geschichten vom Franz aus der Feder der wohl bedeutendsten österreichischen Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger.
Auch die Sparte Geschichte bzw. Zeitgeschichte ist im Verlagsprogramm stark vertreten (Reihe Studia Carinthiaca und die Reihe Unbegrenzte Geschichte/Zgodovina brez meja). Im Verlag sind bereits einige Werke über die Isonzo- und Piavefront in slowenischer und deutscher Sprache erschienen. Insbesondere diese Bücher wurden mit großem Erfolg im österreichischen Parlament und im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien vorgestellt.
Die Bewältigung der Geschichte bezieht sich sowohl auf den Kärntner als auch auf den slowenischen Raum. Als Beispiel seien das Buch von Stefan Karner Die deutschsprachige Volksgruppe in Slowenien sowie jene von Alfred Elste Kärntens braune Elite und Kein Kreuz mit dem Hakenkreuz genannt – oder das vor kurzem von den drei Autoren Alfred Elste, Michael Koschat und Hanzi Filipič verfasste Buch: „NS-Österreich auf der Anklagebank. Weiters widmet sich der Verlag der Ethnologie, regionalen Kärntner Themen, aktuellen slowenischen Themen, es erscheinen Essay- und Gedichtbände.
Im Schulbuchprogramm führt der Verlag fünfundsiebzig Titel, womit das zweisprachige Schulwesen in Kärnten nahezu zur Gänze versorgt wird. Etwa 15 Lehrbücher stehen auch an verschiedenen Schultypen Sloweniens in Verwendung (Gospodarsko poslovanje – Betriebswirtschaftslehre). Diese Bücher waren bald nach 1991 am slowenischen Buchmarkt verfügbar und trugen viel zur Beschleunigung der freien Marktwirtschaft in Slowenien bei. Auch private Firmen bedienten sich der Bücher. Die kroatische Fassung des Buches „Betriebswirtschaftslehre“ für Schulen in Kroatien ist derzeit in Arbeit. Vor kurzem ist zudem das viersprachige (deutsch / slowenisch / englisch / italienisch) Lehrbuch einer Übungsfirma, das in seinem Aufbau einzigartig ist, erschienen.
Der Hermagoras-Verlag versucht mit seinen Büchern breitgefächerte Themenbereiche abzudecken, sein Hauptanliegen ist jedoch nach wie vor die Pflege und Erhaltung der slowenischen Kultur und Sprache in Kärnten.

