Bischof Schwarz für Rechte der slowenischen Volksgruppe
03.05.2010
Klagenfurt (pgk). Für eine Sicherung der religiösen und kulturellen Rechte der slowenischen Volksgruppe in Kärnten hat sich Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz bei der Präsentation des Buches „Nationale Minderheiten: Recht und Wirklichkeit / Narodne manjšine: pravo in realnost“ (Herausgeber Martin Pandel und Völkerrechtler Gerhard Hafner, Verlag Hermagoras-Mohorjeva) im Bischofshaus in Klagenfurt ausgesprochen. Maßgebend dafür seien die geltende Verfassung sowie die Rückbindung an die jeweilige Tradition der beiden Volksgruppen. Der Kärntner Bischof unterstrich die Bedeutung eines „geordneten und stilvollen Dialoges beider Volksgruppen“. Voraussetzung dafür sei eine korrekte Sprache, „denn diese schafft Wirklichkeit“, so Bischof Schwarz, der gegenseitigen Respekt vor Sprache und kultureller Identität der jeweils anderen Volksgruppe forderte. Das Bildungshaus Tainach /Tinje sei eine jener Plattformen, „wo der Dialog zum Miteinander wird, damit die Interkulturalität gesichert ist und das Land bereichert“.
Seelsorgeamtsdirektor Msgr. Dr. Josef Marketz erinnerte in seinem Statement daran, dass die beiden Volksgruppen seit der zweiten Christianisierung im 7. und 8. Jahrhundert hier leben würden. Die Kirche in diesem Land verfolge das anspruchsvolle Ziel, zur Versöhnung zwischen den Volksgruppen beizutragen, zu verbinden und Gräben zu überwinden.
Es gehe der Katholischen Kirche in Kärnten nicht darum, ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander-Leben nicht zu stören, das dann meist auf Kosten der Schwächeren gehe, sondern sie habe, so Marketz, durchaus eine Option für die slowenische Sprache und Kultur getroffen, nehme die Angehörigen der slowenischen Volksgruppe in den eigenen Strukturen als Subjekt ernst und bemühe sich auf diesem Hintergrund um ein solidarische Zusammenleben und Zusammenarbeiten beider Volksgruppen.
Der Rektor des Bildungshauses Tainach/Tinje, KR Josef Kopeinig, bezeichnete den Dialog als „ein vielleicht zu strapaziertes Modewort“. Tatsächlich sei der Dialog ein mühsamer Weg, „der viel Sprachkenntnis voraussetzt“.
Dr. Erwin Kubesch, Botschafter der Republik Österreich in Ljubljana, hob die Bedeutung des Bildungshauses Tainach/Tinje und dessen überregionales Profil hervor und bezeichnete das Bildungshaus als „völkerverbindenden Knotenpunkt und Stätte des Dialoges und der Begegnung“.
Em. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Hafner vom Institut für Völkerrecht, Europarecht und Internationale Beziehungen an der Universität Wien, der die Publikation gemeinsam mit Martin Pandel, Referent im Bildungshaus Sodalitas in Tainach, herausgegeben hat, schilderte seine persönlichen Erfahrungen und allgemeine Gedanken zur slowenischen Volksgruppe in Kärnten.
Die Buchneuerscheinung basiert auf einer Reihe von Veranstaltungen des Bildungshauses Sodalitas zum Thema. Neben einem Vorwort von Bischof Schwarz enthält es unter anderem Beiträge von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer zum Thema „Slowenien und Österreich – Nachbarn und Partner in der Europäischen Union“ sowie dem slowenischen Staatspräsidenten Dr. Danilo Türk zum Thema „Die Minderheitenfrage im sich verändernden Europa“. Weitere Themen im Buch sind „Autonomie und politische Partizipation als bewährte Modelle zur Sicherung einer gleichberechtigten Koexistenz nationaler Minderheiten am Beispiel Südtirols“ (Dr. Luis Durnwalder, Landeshauptmann Südtirol), „Durchsetzung verfassungsgerichtlicher Erkenntnisse“ (Dr. Heinz Mayer, Jurist) oder „Kärntner Geschichtspolitik trotz Staatsvertrag“ (Dr. Oliver Rathkolb, Historiker).
Das 268 Seiten starke Buch ist im Hermagoras-Verlag erschienen und im Buchhandel um € 24,- erhältlich.
Bücher dazu:
Gerhard Hafner & Martin Pandel
Nationale Minderheiten: Recht und Wirklichkeit / Narodne manjšine: pravo in realnost
Das katholische Bildungshaus Sodalitas in Tainach / Tinje in Kärnten versucht, mittels Dialog und wissenschaftlicher Aufbereitung die Probleme der nationalen Minderheit, vor allem der slowenischen Volksgruppe in Kärnten, zu erfassen, um auf diese Weise den Boden für ein gegenseitiges Verständnis…mehr